Schreibhandwerk

In unseren Breitengraden kann jeder schreiben. Manche schreiben gerne, andere nicht, aber »können« tun wir es alle. Aber ist das wirklich die einzige Voraussetzung, um einen Roman zu schreiben?
Die Antwort ist schlicht und simpel: »Nein!«
Nur weil ich ein Taschenmesser über einen Ast ziehen kann, ist das längst noch nicht schnitzen. Und das wird es auch nicht, außer ich erlerne das Handwerk – genau das ist belletristisches Schreiben: ein Handwerk. Nicht weniger tiefgreifend in seinen Regeln und Möglichkeiten wie Musik, Malerei oder Bildhauerei. Auf den ersten Blick mag das übertrieben klingen, denkt man an die großen Meisterwerke in den 3D-Künsten – jene Bilder von Weltruhm, Büsten, die jeder schon auf Fotos oder in Museen bewundert hat. Was ist dagegen schon ein Roman?
Meiner Einschätzung nach, verhält es sich genau andersherum. Der Roman ist ein Vehikel, in dem Ideen, Kultur, Gedanken, Wünsche, Geschichte und Liebe entworfen und mit anderen geteilt werden können. Und damit erstreckt er sich in eine wenn auch fragile Ewigkeit. Ein Roman kann Leben, Sicht und Meinung eines Menschen oder einer ganzen Generation verändern, Das Wort ist das schärfste Schwert und das hellste Licht. Und so viel auch alte Meister kosten mögen, Bestseller-Autoren können mehr verdienen – zu Lebzeiten.
Auch die »Nuts ’n’ Bolts«, die ich hier nach und nach vorstellen werde, sind nur ein mühsamer erster Aufbau der Werkzeugkiste. Jemand, der einen Roman, nicht nur anfangen und fertigstellen will, sondern auch sprachlich ein gewisses Level erreichen möchte, der braucht viel mehr: Empathie Menschenkenntnis, Durchhaltevermögen, Lernwilligkeit, ein möglichst tiefgreifendes Sprachgefühl, beziehungsweise Stil, und eine Menge Nachschlagewerke. Und last, but not least eine Idee, die ihn heimsucht wie ein Dämon. Eine Idee, die um jeden Preis geschrieben und geteilt werden muss.
Die wichtigsten Basis-Werkzeuge sind meiner Erfahrung nach:
- Zeit.
Text liegenlassen, am besten mehrere Monate. - Kürzen.
Dem Leser Freiräume lassen. Wenn sich etwas sprachlich nicht lösen lässt: löschen! - Lesen.
Lesen. Und noch mehr Lesen. Nicht als Konsument, sondern als Schreibender. Wie hat sie/er das gemacht?